Training
Berglauftraining
Ausdauer und vor allem Kraftausdauer spielen beim landschaftsorientierten Laufen die entscheidende Rolle. Allerdings sind angesichts von Wurzelpassagen, losem Geröll oder Felsbrocken auch Beweglichkeit und Geschicklichkeit gefordert. Ohne Trittsicherheit und Stabilität im Bewegungsapparat geht nichts.
Wer Trailrunning als eine Variante im Ganzjahrestraining zwischen einem Frühjahrs- und einem Herbstmarathon ansieht, der sollte weniger experimentieren und die eher breiteren Naturwege für das Training (und den Wettkampf) wählen. Wer jedoch als Ausdauer erprobter Läufer einen Wechsel von den Flachstrecken hin zum Berglaufen plant, der sollte ein Maß an Beweglichkeit und Geschicklichkeit mitbringen und entsprechende Trainingsmaßnahmen ergreifen. Für Läufer mit schwachen Bändern und auffälliger Gelenkinstabilität ist ein Ausflug ins Gelände nur dann zu empfehlen, wenn der Untergrund eher gefahrlos zu belaufen ist. Aber der Berglaufkalender bietet auch für diese Läufer einen Trost: Es gibt auch Bergläufe, die ausschließlich auf Bergstraßen oder Natur-Forstwegen aufwärts führen und selbstverständlich auch ihre Reize haben. Aber sind wir einmal ehrlich, die schmalen Trailpfade im stetigen Rhythmuswechsel, das spielerische Bergauf und Bergab, das ist das Salz in der Suppe beim Landschaftslaufen und motivieren zu weiteren Anstrengungen im Training. Landschaftsläufe sind vom Trainingsaufbau und von der Zielsetzung her als eigenständig zu betrachten. Kürzere Bergläufe mit (zunächst) moderaten Steigungen sind zudem geeignet, erworbene Fähigkeiten unter Wettkampfbedingungen zu testen und den eingeschlagenen Weg kritisch zu hinterfragen.Fischköppe am Berg?
Ambitioniertes Berglaufen kann praktisch (fast) jeder. In der aktuellen deutschen Berglauf-Nationalmannschaft sind keineswegs nur Läufer aus alpennahen Regionen. Vielmehr ist es geradezu grotesk, dass die Alpen-Anrainer Bayern und das südliche Baden-Württemberg deutlich unterrepräsentiert sind. Auch „Flachländler" können‘s schaffen: Die frühere deutsche Berglauf-Meisterin und LAUFZEIT-Fachautorin Anja Carlsohn aus Potsdam lief beim diesjährigen Swiss Alpin in Davos auf der 42-km-Strecke auf Platz vier. Die nationalen Berglaufmeister der letzten Jahre kommen aus Potsdam, Greifswald, aus Ludwigshafen, von der Schwäbischen Alb oder aus Schwaben. Praktisch eher aus dem Flachland bis allenfalls aus dem Mittelgebirge.
„Man muss einfach ein Faible für das Landschaftslaufen haben", sagt Peter Carlsohn, der mit seiner Tochter Anja (die promovierte Ernährungswissenschaftlerin ist auch Fachautorin bei LAUFZEIT) im flachen Potsdam den Weg von einer hoffnungsvollen, aber leider verletzungsanfälligen Marathonläuferin zu einer erfolgreichen Bergläuferin mit internationalem Zuschnitt innerhalb von nur drei Jahren gegangen war. „Wichtig ist es, dass beim Läufer ein breites läuferisches Potential vorhanden ist und man als Trainer die Leistungsstruktur der Disziplin Berglauf erkennt. Alles andere lässt sich im Training machen. Dazu braucht es nicht einmal die hohen Berge!" Drastisch formuliert: Aus einem Fischkopf kann auch ein guter Bergläufer werden!
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Text: LAUFZEIT 9/09, Wira
Foto: swiss-image
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