Frauenlauf
Laufen Frauen anders?
So schwer und so lange auch der Weg der Frauen auf die langen Distanzen war, innerhalb relativ kurzer Zeit eroberten sie sich ihren Platz im sportlichen Geschehen. Doch was ermöglicht den Frauen, sich in der Königsdisziplin des Laufens so gut darzustellen.
Im Jahr 2007 nahmen insgesamt 12.615 Frauen am Berliner Frauenlauf teil. Auch im Marathonlauf sind die Frauen den Männern auf den Fersen. So liegt zum Beispiel der aktuelle Weltrekord von Paula Radcliffe bei 2:15:25 h. Diese Zeit hätte noch vor zehn Jahren die Männerwelt schockiert.Die Biologie
Sehr oft ist zu lesen, dass Frauen von ihren körperlichen Voraussetzungen eher im Nachteil seien für den Langstreckenlauf. Begründet wird das u. a. damit, dass Männer zehn bis 15 Prozent mehr Muskelmasse besitzen, über größere Herz- und Lungevolumina und das im Organismus vermehrt anzutreffende Testosteron verfügen. Dagegen seien Frauen aufgrund zyklischer Hormonveränderungen, anderen Fettverteilungsmustern, der Neigung zu Cellulitis usw. nach landläufiger Meinung aus sportlicher Sicht benachteiligt. Zudem haben Frauen von Natur aus einen größeren Fettanteil (ca. 8 Prozent) als die Männer. Damit besteht grundsätzlich für Frauen der Nachteil, dass sie bei gleicher Körpermasse eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit haben.
Vorteile!
Aber es gibt für Frauen auch zahlreiche Vorteile, die bereits van Aaken mit umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen belegte. So haben Frauen in der Regel ein geringeres Körpergewicht. Zwar ist ihr Fettanteil höher als der des Mannes, aber sie verfügen über mehr aktives Fett. D. h., dieses Fett wird schneller im Stoffwechselprozess verwertet. Weitere organische Vorteile sind: weniger Wasser innerhalb der Zellen, dafür aber mehr organische Substanz und Plasma als beim Mann, mehr Leistungshormone als Nebennierenrindenhormone, mehr Eisen bindendes Eiweiß Transferrin als beim Mann, mehr Gesamteiweiß sowie mehr ionisiertes Kalzium. Hinzu kommt ein weiterer nicht zu vernachlässigender körperlicher Vorteil. Im Verhältnis zum Körpergewicht ist das Gewicht der Leber bei Frauen größer als bei Männern. Da die Leber ein großer Glykogenspeicher ist, kann sich das vorteilhaft auswirken. Denn Glykogen ist für den Ausdauersport von wichtiger Bedeutung. Zudem ist dadurch auch die Eisenbindungskapazität relativ gesehen größer, wodurch mehr Sauerstoff in die Muskeln transportiert werden kann. Damit erklärt sich auch, warum es Frauen in den vergangenen Jahrzehnten gelungen ist, die Weltbestzeiten im Marathon in so kurzer Zeit so rasant zu verbessern. Spitzensportlerinnen haben ihren Fettanteil sogar so stark reduziert, dass sie sich den Höchstleistungen der Männer annähern. Hinzu kommt, dass der Trainingseffekt bei Frauen im Ausdauerbereich höher ist. Frauen sind im Ausdauerbereich etwas besser trainierbar als Männer.
Motivierter!
Ihr Knochengerüst und der typisch weibliche Gang sind weitere Vorteile für den Langstreckenlauf. Frauen sind keine Muskelpakete, sondern Stoffwechselathletinnen. Abgesehen von allen biologischen Voraussetzungen sind sie meist sehr gut in mentaler Stärke. Sie lassen sich besser motivieren und sie sind trainingsfleißiger. Mit mentaler Stärke können sie ihre organischen Nachteile wettmachen. Zumindest bis zu einem bestimmten Punkt. An einer Stelle wird das Ganze jedoch zu einer Kraftfrage, und hier ist die Frau benachteiligt. Denn nicht nur die Energie spielt eine Rolle, auch die Vortriebswirksamkeit ist entscheidend. Der optimale Bewegungsablauf zur eschwindigkeitsentwicklung beim Laufen ist bei Frauen nicht so stark entwickelt wie bei Männern. Daher sind Frauen an sich auch eher Ausdauer- statt Sprinttypen. Je länger die Distanz, desto mehr nähert sich die Frau mit ihren Leistungen dem Mann an. Die Frau ist also der eindeutig geeignetere Ausdauertyp ...
Den gesamten Artikel mit differenzierten 10-km-Trainingsplänen (m/w) udn vielen weiteren Anregungen finden Sie komplett in LAUFZEIT 3/2008.
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Quelle: Journal LAUFZEIT 3/2008.
Text: Dr. Th. Prochnow.
Foto: LZ/Weising
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