Haile Gebrselassie
Heute habe ich noch nicht trainiert
Am Tag nach dem 2:04:26-Stunden-Rekord hatten zehn Händler der LEX-Gruppe und zehn Läufer Gelegenheit, alle Fragen an den neuen Marathon-Weltmeister loszuwerden, die ihnen auf der Seele brannten.
Im Rahmen der Aktion „testrun28" hatten sie sich im Frühjahr 2007 an einem Gewinnspiel beteiligt und begrüßten nun Haile Gebrselassie mit Standing Ovations. Sein Laufanzug war hochgeschlossen, als fröstelte er ein ein wenig. Dieser Eindruck verschwand genauso schnell, wie Haile am Vortag gelaufen war.Die Leiden eines Stars
Wie gehts einem Laufstar nach dem furiosen Auftritt auf Berlins Marathonstraßen? „Die Beine schmerzen, und ich habe heute noch nicht trainiert“, lächelte Haile ins Publikum. Schon war das Eis gebrochen, jeder fühlte, da sitzt ein Läufer, einer von uns. Der nur 1,64 Meter kleine, große Äthiopier ist Inhaber von 24 Langstrecken-Weltrekorden. Warum sollte es nun auch der Marathon-Weltrekord sein? „Ich wollte den Marathon-Weltrekord als den größten Rekord, den ein Läufer überhaupt erringen kann. Lange Zeit hatte ich dafür keinen festen Termin. Im vergangenen Jahr in Berlin hat es nicht geklappt.“ Diesmal war er anderthalb Minuten schneller. „Mhmm“, kam so ein typisch hoher Haile-Ton, mit seinem offenen Lächeln unterlegt, „gestern war alles perfekt, angefangen von der Vorbereitung, dem wundervollen Laufwetter, den ausgezeichneten Tempomachern und dem fantastischen Berliner Publikum, dass mich ab Kilometer 30, als ich allein lief, wirklich ins Ziel hineinmotiviert hat.“ Und einer der ersten Gratulanten am Mobiltelefon war – Paul Tergat.
Berlin hat was
Gebrselassie mag Berlin wegen seines flachen Kurses. Zudem passt der Termin perfekt in die Marathonsaison hinein. Im kommenden Jahr wird er die Stadt auslassen. Nein, er wäre auch nicht gegen Tergat gelaufen, sondern gegen die Zeit. „Wenn du gegen einen Rivalen läufst, willst du nur gewinnen. Wenn du gegen die Zeit läufst, kannst du einen Rekord knacken.“
Das erste Rennen 2008 wird der Dubai-Marathon im Januar sein. Dann sind Olympische Spiele und zur Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 kommt Haile wieder nach Berlin, um sein Heimatland Äthiopien zu repräsentieren. Und so ein 4-Runden-Marathon-Kurs sei ja auch viel versprechend...
Der Weg zum Rekord
Wie ist es möglich, sich neben der beruflichen Belastung als Chef einer Firma in Addis Abeba mit 400 Angestellten jeden Tag fürs Training zu motivieren. Immerhin kamen in diesem Jahr 220 bis 230 Trainingskilometer pro Woche zusammen, mehr als mancher deutscher Berufspendler an fünf Arbeitstagen mit dem Auto fährt. Dazu sollte ja auch die Familie nicht zu kurz kommen.
„Als erstes braucht man ein Ziel und dann einen Plan“, erklärte Haile Gebrselassie. „Mein Plan war der Marathon-Weltrekord. Also habe ich angefangen zu trainieren. Dann kam der Wettkampf, und es hat nicht geklappt. Geht es beim zweiten oder nächsten Versuch auch schief, muss man am Plan, am Training etwas verändern“. Also fing er dieses Jahr an, den Umfang zu erhöhen, um mehr Ausdauer in der Endphase zu haben – eben jene 230 Kilometer in der Woche. Und siehe da, es hat funktionert.
Ganz normaler Schuh
Natürlich muss auch das Equipment stimmen, besonders die Schuhe. „Ich liebe Dämpfungsschuhe“, klopft er mit zwei Fingern auf eine seiner Laufschuhspitzen...
Am einfachsten im Online-Abo - Zeitung lesen ohne Papier, erhältlich hier bei davengo .
Quelle: Journal LAUFZEIT 11/2007
Text: Matthias Thiel. Foto: M. Rassek, M. Thiel.
- Trainingssoftware: Per Mausklick in Form
- Marathontraining: Plan 42,195
- Halbmarathon - Training: Die Hälfte vom Ganzen
- Lehrreich: Laufschulen und -seminare
- Leistungsmessung: Der Weg zur Glanzleistung






