Leistungsmessung
Der Weg zur Glanzleistung
Es sagt sich so dahin: Die oder der hat eine Glanzleistung vollbracht. Wenn etwas herausragt aus dem Alltäglichen ist die Formel schnell parat. Das wird verschieden empfunden. Im Sport hingegen wird die Leistung meist genau bestimmt.
Mal abgesehen von den ewig umstrittenen Punktrichterentscheidungen, haben wir es da meist mit genau messbaren physikalischen Größen zu tun. In der Leichtathletik liegen beim Springen, Werfen und Laufen stets schwarz auf weiß konkrete Ergebnisse vor. Zusammen mit den geltenden Regeln sind somit alle Leistungen vergleichbar. Laufzeit ist Laufzeit. Mal abgesehen davon, dass wir den Satz für unsere Marke als Zeitschrift gern ungesehen beanspruchen möchten – beim näheren Betrachten ist es mit der erbrachten Leistung so eine Sache.Rekord- und Ergebnislisten sagen nichts über die Akteure selbst aus. Allenfalls die Unterteilung in Altersklassen setzt die Biologie, sprich das Alter, ins Verhältnis zur erbrachten Leistung. Was man da in den Ergebnislisten bei den Senioren zuweilen entdeckt, verdient hohen Respekt. Sieht man es jedoch nicht nur durch die leistungsorientierte Brille, sondern schaut mit breitensportlich weit geöffneten Augen in die Laufszene, so ist Leistung doch mehr als eine Zahl. Die jüngste Diskussion in unserem Leserforum (siehe Seite 7) zum Wert von Marathonleistungen jenseits der Fünf-Stunden-Marke unterstreicht dies um so mehr.
Was ist eine (Glanz)Leistung? Für manche fängt sie bei drei Stunden Marathonlaufzeit an. Für andere ist das Durchhalten und Ankommen allein schon von höchstem Wert ...
Betrachten wir die Ergebnisse des 2006er real,- BERLIN-MARTHONs. Auf Platz 818 schaffte es einer, die letzte Sekunde unter drei Stunden für sich allein zum Einlauf zu nutzen. Da waren gerade mal 2,7 Prozent des 30.185 Menschen zählenden Jubelfeldes im Ziel eingetroffen. Punkt zur vierten Stunde liefen dicht gedrängt gleich vier Paar Füße gleichzeitig über die Zielmatte – Patz 11.634 bedeutete vergleichsweise 38,6 Prozent. Bei fünf Stunden waren rund 85 Prozent eingetroffen. Sind diese Leistungen vergleichbar, kann man sie allein vom Papier her bewerten? Wohl kaum. Allein schon ein kleiner Rückgriff in die Physik, in die Mechanik, zeigt ein paar naturwissenschaftliche Wahrheiten, die zu denken geben. Leistung steht da für Arbeit geteilt durch Zeit, Arbeit für Kraft mal Weg. Der Weg ist für alle bekanntlich gleich:
42.195 m. Die Geschwindigkeit geht als Faktor in die Berechnung ein. Daraus wird klar, dass eine gleiche Leistung im physikalischen Sinne von unterschiedlich schweren Sportlern vollbracht werden kann, obwohl sie unterschiedlich schnell sind. Die Leistung, die nötig ist, um beispielsweise 60 kg innerhalb von drei Stunden über die Strecke zu bringen, entspricht etwa der, dies mit 80 kg in vier Stunden zu tun. Berlin-Sieger Haile Gebrselassie hatte mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von
5,98 Meter pro Sekunde seine (etwa)
59 Kilo ins Ziel gebracht – eine Glanzleistung! Jede Stunde langsamer schlägt (rein physikalisch gesehen) mit etwa 30 Kilo zu Buche, um mit ihm „gleich zu ziehen“. Auch solche unspektakulären Glanzleistungen wird es wohl im Feld zuhauf gegeben haben.
Doch das ist nur ein Faktor, ein Ausschnitt aus den Naturgesetzen, denen wir alle unterworfen sind. Aber was gibt es nicht alles noch für Lebensumstände, in deren Licht eine sportliche Leistung erst in ihrem wahren Wert erkennen lässt. Ist man Anfänger oder Routinier? Welche Zeit hat sie oder er, neben Beruf und Familie zum Lauftraining zur Verfügung? Ist man dabei, sich von einer Krankheit mit Hilfe des Sportes zu erholen? Hatte man persönliche Sorgen oder ist man gerade auf Wolke sieben? Die Ergebnislisten verraten nichts von alledem. Allenfalls finden wir noch eine Notiz zum Wetter, das misslich oder förderlich war.
Eines bleibt unter allen Umständen wahr: Wer sich aufrappelt und bewegt, zum Beispiel regelmäßig läuft nach seiner Fasson und seinen Möglichkeiten, dessen Leistung verdient Respekt. Es ist die ganz persönliche (Glanz)Leistung, die zählt. In diesem Sinne einen guten Start ins Jahr 2007 – mehr als 4.000 Startempfehlungen dazu halten wir im Laufkalender für Sie bereit!
Den Artikel finden Sie in LAUFZEIT 1/2007 auf Seite 3. Am einfachsten im Online-Abo - Zeitung lesen ohne Papier, erhältlich hier bei davengo.
Text: Wolfgang Weising. Foto: M. Thiel
- Glücksgefühl: Prinzip des Lächelns
- Training: Mehr als nur Luftholen
- Höhentraining: Oben leben unten trainieren
- Training: Trainingstipps für ältere Läufer






