Training
Mehr als nur Luftholen
Die maximale Sauerstoffaufnahme als Kriterium für die Ausdauerleistungsfähigkeit. Nicht wenige Sportler und Trainer haben Schwierigkeiten, sich unter dem Begriff der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2max) etwas Konkretes vorstellen zu können.
Leider gibt es auch unter Medizinern falsche Vorstellungen darüber. Vielfach wird darunter nur die Sauerstoffaufnahme in der Lunge verstanden, gemeint ist aber die in den inneren Organen, bei körperlicher Belastung in erster Linie der Muskulatur.Die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) repräsentiert das maximale Transportvermögen von Sauerstoff aus der Atemluft in die Arbeitsmuskulatur. Sie ist das Maß für die Sauerstoff-Zufuhr, für den Sauerstoff-Transport und für die Sauerstoff-Verwertung in der Muskelzelle im Ausbelastungszustand des Organismus.
Entscheidend ist, wie viel Sauerstoff im Muskelstoffwechsel für die aerobe Energiegewinnung zur Verfügung gestellt wird. Denn je höher die VO2max, desto höher kann die Intensität einer Ausdauerbelastung bzw. Dauerleistung sein, ohne eine sog. "Sauerstoffschuld" eingehen zu müssen (ohne "sauer" bzw. "blau" zu werden). Oder anders: umso länger kann eine intensive, submaximale Leistung erbracht werden, desto größer ist die Ausdauerleistungsfähigkeit, die sog. aerobe Kapazität. Nach der Begriffsbestimmung der Ausdauer (siehe Randspaltentext) ist die VO2max somit das Bruttokriterium für die allgemeine Ausdauerleistungsfähigkeit.
Sauerstoff-Zufuhr
In der Lunge erfolgt der Übertritt von Sauerstoff aus der eingeatmeten Luft ins arterielle Blut und gleichzeitig der Übertritt von Kohlendioxid (CO2) vom venösen Blut in die Ausatemluft (sog. Gasaustausch). Dabei wird dem Blutkreislauf in der Lunge immer ein Mehrfaches an Sauerstoff angeboten, als er ausschöpfen kann. Daraus folgt, dass ein großes Lungenvolumen nicht automatisch eine hohe VO2max bewirkt - wenn also jemand glaubt, dass ihn seine große Lungenkapazität (Vitalkapazität) von vornherein zum besseren Ausdauersportler macht, dann irrt er! Entscheidend ist nämlich, wieviel des Sauerstoffangebotes in der Lunge vom Blutkreislauf aufgenommen und zu den arbeitenden Muskeln transportiert werden kann.
Es kommt also primär nicht auf eine "Pferdelunge" an, weshalb die Atmung (eine normale Lungenfunktion vorausgesetzt) nicht der leistungslimitierende Faktor für die Ausdauerleistungsfähigkeit ist. Wohl aber führt Ausdauertraining unter anderem auch zu einer größeren Vitalkapazität und erhöht so das Sauerstoffangebot für den Blutkreislauf.
Sauerstoff-Transport
Im Anschluss an den Gasaustausch bewerkstelligt der Blutkreislauf den O2-Transport zu allen Organen, somit auch zur Muskulatur ("Arbeitsmuskulatur"), wobei die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) als "Sauerstoffträger" fungieren. Aufrechterhalten wird der Blutkreislauf vom Herz als "Pumpe", weshalb man diese funktionelle Einheit als Herz-Kreislauf-System bezeichnet.
Dieses hat – im Gegensatz zur Atmung – eine entscheidende Bedeutung für die VO2max und damit für die aerobe Kapazität: Je mehr Blut pro Minute vom Herz gefördert wird und durch den Kreislauf fließt, desto mehr O2 wird aus der Atemluft mittels Gasaustausch ins Blut aufgenommen ...
(Den ganzen Artikel finden Sie als Titelgeschichte in LAUFZEIT 6/2006 ab Seite 8. Am einfachsten im Online-Abo – Zeitung lesen ohne Papier, erhältlich hier bei davengo.
Quelle: Journal LAUFZEIT 6-2006
Text: Dr. Kurt A. Moosburger. Foto: Wolfgang Weising.
Weitere Informationen unter: www.laufzeit.de






