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Laufzeit 7+8/2009

Grenzerfahrungen

Was passiert im Körper? Ultraläufe aus sportmedizinischer Sicht - Von Dr. med. Willi Heepe

Der Laufsport ist über die Jahre erwachsen geworden. Die gesundheitliche Bedeutung des Laufens ist nicht mehr strittig trotz Todesfällen bei Laufveranstaltungen und noch immer unreflektierten negativen Kritiken. Inzwischen gilt beinahe, ein Mann (Frau) muss einen Baum gepfl anzt, ein Haus gebaut, einen Sohn gezeugt, ein Buch geschrieben haben und letztlich auch einen Marathon gelaufen sein. Galt vor 30 Jahren noch das Synonym "Laufen gleich Waldlaufen", so sind heute durch den technischen Fortschritt der gesamten Lauflogistik Straßenläufe sowie Training auf Straßen ein Selbstverständnis geworden. Alte Vorurteile haben sich in Luft aufgelöst. Sportmedizinische Untersuchungen und Analysen bei Marathonläuferinnen und -läufern gehören heute zum Standard. Was aber ist mit der kleinen Schar der Ultraläufer, die sich darüber hinaus belasten? Welche gesundheitlichen Risiken liegen in Läufen jenseits des Marathons? Haben die ultralangen Läufe noch ein positives gesundheitliches Potenzial? Wirklich wissenschaftlich relevante repräsentative Daten dazu gibt es kaum...

Gewicht fällt ins Gewicht
Der Laufsport ist aus mentaler Sicht ein ganz besonderer Sport. Er lebt von konsequent absolviertem Training. Er lebt davon, dass sich sehr schnell ein körperliches Wohlbefi nden einstellt. Ich nenne dieses Gefühl die "körperliche Freiheit". Dabei relativiert man mental die gesamte Welt. Dass sich einstellende Glücksgefühl ist Repräsentant des eigenen Gesundheitsmanagements. Hierin liegt auch die Gefahr das Konto zu überziehen und bei allen Widrigkeiten des Lebens mit dem Laufen davonzufl iegen. Als Mediziner oder Therapeut das richtige Maß zu vermitteln setzt Erfahrung, Wissen und Augenmaß voraus. Für jede Leistung gibt es ein richtiges quantitatives und qualitatives Trainingsmaß. Wo liegt es bei den Ultraläufen? Wie viel Zeit opfere ich dem Berufs-, dem Familien- und meinem eigenen Leben oder Erleben. Alle Ultras bedürfen sorgfältiger sportmedizinischer Begleitung und Trainingssteuerng.

Nicht ohne kardialen Check-up
Wir wissen, dass im "steady state" (Gleichklang aller Kreislaufparameter) die Durchblutung, insbesondere im Gehrin, deutlich zunimmt dass man beim Laufen besser denken und hören kann. Aber wie viele Stunden? Wie erträgt man die Monotonie? Wo ist das Ziel? Wir wissen, dass ein Energieverbrauch durch sportliches Tun jenseits 3.000 kcal über dem Grundumsatz pro Woche keinen gesundheitlichen Gewinn mehr bringt. Das entspricht etwa einem Laufpensum bis zu 70 km pro Woche. Mit diesem minimalen Training wird man jedoch kein Ultraläufer. Es tun sich Fragen auf: Heißt Ultralaufen dem Leben davonlaufen? Warum nur noch laufen, war da nicht noch etwas anderes? Oder? Allerdings gilt unverändert, "des Menschen Wille ist sein Himmelreich". Noch immer lautet das Primat, im Laufsport ist jeder für sich selbst verantwortlich. Womit ich Veranstalter nicht aus der Verantwortung entlassen möchte... Eins ist sicher: Ohne eine sorgfältige Leistungsdiagnostik und einen sorgfältigen kardialen Check-up sollte kein Training für Ultraläufe erfolgen.

(Auszug aus dem Tietelthema von LAUFZEIT 7/8 2009 - das große Sommerdoppelheft ist ab 6.7.2009 im gut sortierten Zeitschriftenhandel erhältlich. Foto: LZ/Weising)

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