Haile beim Berlin Marathon
2:03 ... in Berlin möglich
Addis Abeba/Äthiopien vor wenigen Tagen: Aufmerksam schaute er sich die ihm vorgelegten Fotos an. Ein Buch über ihn soll im September auf der Berliner Marathonmesse vorgestellt werden, und so konnte er vorab schon ein wenig in den Bildseiten blättern. Zwei farbige Fotos hatten es dem Marathonweltrekordler Haile Gebrselassie besonders angetan.
Addis Abeba/Äthiopien vor wenigen Tagen: Aufmerksam schaute er sich die ihm vorgelegten Fotos an. Ein Buch über ihn soll im September auf der Berliner Marathonmesse vorgestellt werden, und so konnte er vorab schon ein wenig in den Bildseiten blättern. Zwei farbige Fotos hatten es dem Marathonweltrekordler Haile Gebrselassie besonders angetan. Das eine zeigt die Rundhütte seiner Eltern auf dem Dorf nahe Assela, dort, wo er aufwuchs und täglich zur Schule lief. Beim anderen verharrte er noch länger. Auf der Vorjahrspressekonferenz zum real,- BERLIN-MARATHON 2007 hatte er sich verleiten lassen und ein Strichmännlein mit der 2:03-Stundenzeit gemalt. Er lachte damals nur und ließ sich nicht weiter aus der Reserve locken. Hier in seinem Büro im siebenten Stock des Alem Buildings von Addis Abeba schaute er nachdenklicher darauf, um schließlich zu sagen: „Das wäre eine schöne Zeit. Ich glaube, sie ist möglich. Aber nur in Berlin.“ Und fügte noch hinzu: „Berlin ist die Stadt, die ich nach Addis am meisten liebe.“Er hatte mich ein wenig warten lassen und entschuldigte sich. „Die Studenten ließen mich nicht los.“ Vor 500 Leuten im überfüllten Auditorium der Addis-Abeba-Universität hielt er einen lange geplanten Vortrag. Über sich, seine Laufbahn, seine karitativen Projekte. Natürlich kam von denen auch die Frage, die ich ihm hier stellte: „Was ist mit Peking, was ist mit den Olympischen Spielen?“ Er bestätigte die Meldungen, die in letzter Zeit die Runde machten. Ja, er laufe die 10.000 m, wie schon in Atlanta, Sydney und Athen. Zum vierten Mal bei Olympia. Mein Nachhaken, ob er damit seinen starken Landsleuten Kenenisa Bekele und Shihine Seleshi Beistand geben wolle, fand er nicht gut. Seine Stirn zog sich in Falten und sein typisches Lächeln verschwand für einen Moment. „Weißt du, wer antritt, um nicht zu gewinnen, der hat schon verloren.“
Um äthiopische Marathonmedaillen in Peking brauche er sich nicht zu sorgen. Sein Trainer Dr. Yilma Berta hat eine Auswahl, von der man bei uns nicht mal zu träumen wagt. Zwei Klasseläufer mit Zeiten von 2:06 Stunden, zwei weitere mit 2:07 und 2:09. Deriba Merga und Tsegaye Kebeb sind da wohl erste Wahl. Bei den Frauen wurden Gete Wami, die zweimalige Berlin-Marathonsiegerin, und Berhane Adere, die Dubai-Gewinnerin dieses Jahres mit 2:21er Zeiten längst nominiert.
Grüße von der Spree
Als ich ihm Grüße von Mark Milde, Racedirektor real,- BERLIN-MARATHON, bestellte, verriet er, dass er gerade den Vertrag unterschrieben habe. Er denke oft an Berlin. „Peking ist schön, Berlin ist schöner.“ Über ein kleines Geschenk, das ich ihm überreichte, freute er sich überschwänglich – ein Berliner Bär, weiß, plüschig, eigentlich nicht mehr als ein typisches Souvenir. Doch muss man wissen, dass Haile vor allen bisherigen Marathonstarts in Berlin einen Bären aus der Hauptstadt bekommen hat, die ihm – er betonte es mit seinem unverwechselbaren Lachen – Glück brachten. Zwei stehen zu Hause in den Trophäenschränken, die Nr. 3 will er erst einmal dem knapp dreijährigen Sohn Naty in Pfl ege gegeben. Kaum glauben konnte er, dass bei der diesjährigen Berliner Auflage alle Medaillen mit seinem Bildnis geprägt sein werden. „Really, wirklich?“ Eine Ehre übrigens, die bisher noch keinem aktiven Marathonhelden gewährt wurde.
Er ist ein Mann ohne Starallüren geblieben. Trotz zwei Olympiasiegen, 27 Weltbestzeiten (darunter 18 anerkannte Weltrekorde), zahlreichen Weltmeistertiteln, beträchtlichen Startgeldern und Ehrungen der vielfältigen Art. Zwei Doktortitel erhielt er in Dublin und Leeds. Zu seinem dritten „honoris causa“ verabschiedete er sich nach meinem Besuch. In der Medizinischen Universität der äthiopischen Stadt Jimma tauschte er Trainingsanzug und Laufschuhe gegen Talar, Doktorhut und Lackschuhe.
Als er mit seinem WM-Mercedes nach Jimma fuhr, fi el mir etwas ein, das ich dann mit seinem Trainer besprach. Ob beide, er und Haile, auf Einladung von LAUFZEIT einen Rundfl ug (mit Hobbypilot und Chefredaktuer Wolfgang Weising) mit einer Cessna über seine Lieblingsstadt Berlin unternehmen würden? Haile Gebrselassie war begeistert und sagte zu. Er habe aber einen Wunsch „Bitte nach dem Marathonlauf …“
Diesen und andere spannende Artikel finden Sie komplett in LAUFZEIT 7+8/2008. Am einfachsten im Online-Abo - Zeitung lesen ohne Papier, erhältlich hier bei davengo .
Quelle: Journal LAUFZEIT 7+8/2008.
Text: Klaus Weidt.
Foto: Matthias Thiel/LZ
- 20. RUNNERS POINT Havellauf: Anmeldung erstmalig mit davengo
- 2. Rügenbrückenlauf 2008: Online Anmeldung eröffnet
- e.on Kassel Marathon 2009: Anmeldung 2009 online
- 35. real-, Berlin Marathon: Haile Gebrselassie wieder am Start
- Top Event: Jugendmesse YOU






