Mythos Kenia
Der Erfolg afrikanischer Läufer
Kenianischer Doppelerfolg beim Hannover-Marathon, kenianischer Doppelerfolg bei den 25 Kilometern von Berlin, nur zwei Schlagzeilen eines Tages, dem 6. Mai 2007, aus einer Vielzahl ähnlicher im Verlaufe eines Jahres.
Kenianer sind so gute Langstreckler, weil sie in großer Höhe von mehr als 2.000 Meter aufwachsen oder lange dort trainieren, so die oft an Stammtischen gepflegte Meinung. Stimmt nicht, sagen Sportwissenschaftler um Professor Walter Schmidt. Schmidt ist der Chef der Abteilung Sportmedizin/Sportphysiologie an der Universität Bayreuth.
Sein Team befasst sich mit Anti-Doping-Forschung, Höhenphysiologie, Flüssigkeitsersatz, Wachstumshormonen und Schulsportforschung. Ein weites Feld also, in dem Erforschung und Nachweis des Blutdopings einen wichtigen Stellenwert einnehmen. So entwickelten die Forscher in Bayreuth ein Verfahren, durch das bislang nicht nachweisbares Doping mit Eigenblut aufgedeckt werden kann. Dieses Projekt, das auf zwei Jahre angelegt ist, wird mit 280.000 Dollar von der WADA, der Welt-Anti-Doping-Agentur, gefördert. Das in die Negativ-Schlagzeilen gekommene Team T-Mobile will das Verfahren künftig für interne Kontrollen nutzen. „Wir haben uns bereit erklärt, unsere Fahrer daran teilnehmen zu lassen“, sagte Sprecher Christian Frommert Spiegel Online. Die Fahrer sollen fünf- bis sechsmal pro Jahr kontrolliert werden. Das Verfahren habe auch den Bund Deutscher Radfahrer überzeugt, erklärte Frommert, dieser wolle es auch zur Pflicht machen. In ihrer neuen Studie kommen die Bayreuther Wissenschaftler nun zu dem Ergebnis, dass die Ursache der größeren Leistungsfähigkeit neben einer besseren Laufökonomie und günstigeren biomechanischen Voraussetzungen im deutlich geringeren Körpergewicht der Afrikaner gegenüber gleich großen weißen Athleten speziell auf Langstrecken zu sehen sei. „Wir haben festgestellt, dass die Kenianer bezüglich Blutvolumen und Hämoglobin keine wesentlich höheren Werte aufweisen als deutsche Ausdauer-Spitzensportler aus den Bereichen Skilanglauf, Radsport oder Leichtathletik“, erklärte Schmidt gegenüber der Presseagentur dpa. Er stellt sich konsequent gegen die These, dass die Lebensbedingungen in mehr als 2.000 Meter Höhe maßgeblich die überragenden Leistungen der kenianischen Läufer begründen. Bei der Bayreuther Untersuchung wurde eine zehnköpfige kenianische Trainingsgruppe des ehemaligen 5.000-m-Weltmeisters Yobes Ondieki sportwissenschaftlich begleitet ...
Biologische Leistung
Für eine gleiche mechanische Leistung kann eine verschiedene biologische Leistung (Energieumsatz pro Zeiteinheit) erforderlich sein. In den Zellen des lebenden Organismus laufen ständig energiebenötigende Prozesse ab. Um Leistung zu vollbringen, muss der Organismus die benötigte Energie bereitstellen. Nach Art der geforderten Leistung stehen die aerobe, die anaerob-alaktazide und die anaerob-laktazide Energiebereitstellung im Vordergrund. Energie kann durch Energiespeicher der Muskelzelle schnell und für ca. 10–20 Sekunden in relativ großer Menge direkt bereitgestellt werden. Über den Zerfall der energiereichen Phosphate Adenosintriphosphat (ATP) und Kreatinphosphat (KP) erfolgt die Energiebereitstellung im arbeitenden Muskel. Der Vorrat der beiden Coenzyme ist in der Skelettmuskelzelle allerdings begrenzt, so dass eine kontinuierliche Resynthese der Substanzen stattfinden muss. Übersteigt der aktuelle Energiebedarf die Bereitstellung, so muss der Differenzbetrag durch Laktatbildung (Glykolyse) energetisch gedeckt werden. Übersteigt die Laktatkonzentration im Blut jedoch eine bestimmte Größenordnung kommt es rasch zur völligen Ermüdung des Muskels.
Beim Langstreckenlauf muss die Balance zwischen Energieverbrauch und -zufuhr am Muskel ständig aufrechterhalten werden. Ziel allen Trainings ist es, diese Balance bei immer höherem Tempo noch zu gewährleisten. Spitzenathleten können dies Kunststück beim Marathonlauf noch bei einem Tempo von drei Minuten pro Kilometer vollbringen. W. W.
(Nach: Nadine Jahns, Göttingen 2000, „Leistungsdiagnostische Untersuchungen für Sport- und Berufstaucher“)
Den gesamten Artikel finden Sie in LAUFZEIT 6/2007. Am einfachsten im Online-Abo - Zeitung lesen ohne Papier, erhältlich hier bei davengo .
Quelle: Journal LAUFZEIT 6/2007
Text: Weising/LZ. Foto: M. Thiel/LZ.
Weitere Informationen unter: www.laufzeit.de
- Katie McGregor: US-Meisterin über 25 km
- Düsseldorf-Marathon: Qualitätssprung
- Hamburg-Marathon: Rop gewinnt eine Sekunde vor Kigen
- Marathon: Kenianer Rop, Kigen und Kosgei favorisiert in Hamburg
- 27. Vattenfall BERLINER-HALBMARATHON: Der Halbe war eine ganze Sache






