27. Vattenfall BERLINER-HALBMARATHON
Der Halbe war eine ganze Sache
Solche Zahlen hatte man in zurückliegenden Jahren nur dem Marathon in Berlin zugeschrieben: 22.048 Teilnehmer aus 70 Nationen - und das für den Halben! Was da einst als größte Veranstaltung aus dem Osten der Stadt vom SC Charlottenburg als Friedenslauf übernommen und Jahr um Jahr zum Besseren entwickelt wurde, schlug im Jahr 2007 neue Rekorde.
Erst 1999 wurde mit 3.038 im Ziel registrierten Sportlern die Dreitausender-Marke überschritten. Dann folgten Zuwächse in Tausender-Sprünge in den Folgejahren. Der Umzug dann ins heutige Start- und Zielgelände am Dom, die Sportmesse am Funkturm nach dem Vorbild des real,- BERLIN-MARATHONs brachte nochmals einen Sprung nach vorn. 15.873 Läuferinnen und Läufer erreichten das Ziel, so viele wie nie zuvor. Eine Dimension, die vom Berliner Marathonlauf, abgesehen vom Ausnahmejahr 1990, erst 1998 überschritten wurde.Ohne Frage profitiert der Halbmarathon von der Erfahrung des SCC-RUNNING mit der Marathonveranstaltung. Inzwischen haben wir es an der Spree mit einem Unternehmen zu tun, das in Deutschland nicht Seinesgleichen kennt. Etwa zwanzig angestellten Mitarbeiter der SCC-RUNNING Events GmbH, einige Dutzend ehrenamtliche Ressortleiter und Tausende freiwillige Helfer schultern im Jahr mehr als zwanzig Sportveranstaltungen mit insgesamt über 145.000 Teilnehmern. So wurde auch beim 27. Vattenfall BERLINER-HALBMARATHON 2007 eine ausgefeilte Organisation mit viel Professionalität geboten, die selbst dem kritischen Betrachter wenig Raum zum Meckern bot. Allenfalls über die Startgebühren wurde und wird zuweilen unter den Startnummerträgerinnen und -trägern diskutiert. Doch angesichts des organisatorischen Aufwandes, der für eine solche Veranstaltung in einer Großstadt betrieben werden muss, verlieren sich diese Diskussionen rasch auf den Boden der monetären Tatsachen ... Der internationale Vergleich verschafft sogleich aufgeblasene Wangen: Über 200 Dollar sind nunmehr inklusive Busticket für einen Start beim New York City Marathon zu berappen.
Weltklasseleistungen bei besten Bedingungen
Zu allem kam bei der 27. Auflage des Halben noch das Frühlings-Wetterglück. Was für die Spitzenathleten rekordverdächtige Bedingungen bot, geriet für die Läufermasse mit über zwanzig Grad auf den sonnigen Streckenabschnitten schon ein wenig zu warm. Wegen des relativ späten Starttermins um 10.45 Uhr lief die große Menge der Aktiven die letzten Kilometer in der Mittagssonne. Der Kenianer Patrick Makau Musyoki nutze die Bedingungen auf dem schnellen Berliner Kurs in einer Kulisse von 150.000 Zuschauern zu einem neuen Streckenrekord von 58:56 Minuten und erzielte die viertbeste Ergebnis aller Zeiten im Halbmarathon. Das Männerrennen war eines der hochklassigsten, die es bislang je gegeben hat: Drei Läufer brachen die Stunden-Barriere ... Sieger Musyoki scheint eine Vorliebe für das Berliner Pflaster zu haben. Als Vorjahressieger der traditionellen Veranstaltung „25 km von Berlin” wird er nach einem 10-km-Lauf in Würzburg, wo er den Straßenlaufweltrekord im Blick hat, auch am 6.5.2007 wieder über die 25-km-Distanz in der Hauptstadt antreten. Dabei, so verriet Athleten Manager Christoph Kopp, wird er bei hoffentlich guten Bedingungen einen Angriff auf die bisherige Weltrekordmarke über diese Distanz wagen. Die wurde ebensfalls in Berlin 2004 von Landsmann Paul Kosgei mit 1:12:45 aufgestellt. Als bester Deutscher und bester Europäer lief Stefan Koch (TV Wattenscheid) auf Platz 13 in 64:11 im Halbmarathonziel am Berliner Dom ein. Er erzielte damit ebenso wie Irina Mikitenko eine deutsche Jahresbestzeit. Letztere belegte hinter der Australierin Benita Johnson (68:28) Platz zwei vor Luminta Zaituc (71:56/LG Braunschweig), die mit Magenproblemen zu kämpfen hatte.
Die Masse bewegt sich gelassen
Jubel unterwegs, ein dichtes Zuschauerspalier auf den letzten Metern – Marathon-Atmosphäre kam auch beim Halben auf. Die Streckenführung schien einmal mehr für diesen sportlichen Spaziergang vorbei an den wichtigsten hauptstädtischen Sehenswürdigkeiten wie geschaffen. Da sich die Masse der Akteure im Feld mit den Jahren immer mehr vom Leistungsgedanken zu verabschieden scheint, werden wohl auch mehr gelassen die Kulisse genossen haben. Mit zunehmender Teilnehmerzahl verlagerten sich die Zieleinläufe in den letzten Jahren zeitlich weiter nach hinten. Während früher binnen drei Stunden meist alle Teilnehmer im Ziel waren, schloss das Feld diesmal mit einer Zeit von 3:24:23. Glückwunsch an den in der M80 laufenden Egon Bethge, der als letzter im Ziel eintraf. Hatte noch 1992 mehr als die Hälfte des Feldes bei 1:50 h das Ziel erreicht waren es 2007 vergleichsweise 30 Prozent ... So wird wohl der Halbmarathon, das zeigen auch Tendenzen anderswo, mehr und mehr für viele, die sich das ganze Marathonabenteuer nicht zutrauen oder zumuten wollen, zum persönlichen Ersatzerlebnis. Für sie ist es Marathon, auch wenn es nur der Halbe ist – und der Halbe war in Berlin wiederum eine ganze Sache.
Den gesamten Artikel, u. a. mit Bericht über eine Halbmarathondebütantin, finden Sie in LAUFZEIT 5/2007. Am einfachsten im Online-Abo - Zeitung lesen ohne Papier, erhältlich hier bei davengo
Quelle: Journal LAUFZEIT 5/2007
Text: Weising/LZ. Foto: M. Thiel/LZ.
Weitere Informationen unter: www.laufzeit.de
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