Zugspitz-Extremberglauf
Abenteuer Zugspitze
Hart, quälend und offensichtlich süchtig machend – das Abenteuer Zugspitze zieht seit 186 Jahren Menschen an. Sie kämpfen sich mühsam vom Reintal kommend auf den Anger hinauf. Erst am Vortag waren sich die drei einig geworden: Der bayrische Artillerieleutnant Joseph Naus und zwei seiner Gefährten wollten an diesem 26. August 1820 den „Zugspitz“ bezwingen.
So ganz freiwillig ist ihr Tun nicht. Massentourismus in die Höhe ist zu jener Zeit kein Thema: Die Bergspitzen gehören noch immer den Geistern und Kobolden. Naus hat einen Auftrag vom königlich-topografischen Büro. Er soll den felsigen Riese, von dem behauptet wird, dass ihn zuvor noch niemand bestiegen habe, vermessen ... „Ein herzliches Willkommen den Teilnehmern des sechsten Internationalen Zugspitz-Extremberglaufs. Nehmt bitte langsam im Startareal Aufstellung. Neun Uhr geht‘s los.“ Freundlich und ruhig klingt die Stimme des Moderators über den Ehrwalder Martinsplatz. Auf der Wiese mit der kleinen Kapelle kommt Leben in die bis dahin eher geruhsam Dahinbewegenden. 615 haben ihre Startunterlagen abgeholt. Darunter 32, die den höchsten deutschen Berg in den Disziplinen Nordic Running und Nordic Walking in Angriff nehmen wollen. Obwohl die Starterliste Teilnehmer aus 15 Ländern ausweist, sind die Mehrheitsverhältnisse klar geregelt: 80 Prozent kommen aus Deutschland. Und die, die da an den Start gehen, wissen, worauf sie sich einlassen – auf einen erbarmungslosen Kampf über 16,1 Kilometer und 2100 Höhenmeter, über Geröll- und Schneefelder, immer bergan.
Zudem hatte die Sonne in den vergangenen fünf Wochen die Täler im Norden Tirols bis auf 38 °C aufgeheizt. An diesem 23. Juli 2006 jedoch hat der da oben ein Einsehen. Als der Startschuss um 9 Uhr fällt, ist der Himmel bedeckt, die Temperatur liegt bei 20 °C und steigt bis zum frühen Nachmittag „lediglich“ auf 30 Grad. Doch das tangiert die Bergenthusiasten kaum. Eine Faustregel besagt: Alle 100 Höhenmeter sinkt die Temperatur um einen Grad.
Die Dunkelheit zwingt sie zu einer Pause auf dem Reintalanger. Naus notiert in seinem Tagebuch: „Übernachtet in der Hirtenhütte, von einer Menge Flöhe dergestalt gemartert, dass ich wachend am Feuer die halbe Nacht mit Tötung derselben zubringen mußte.“
Unter denen, die ganz vorn mitlaufen, ist Martin Echtler. Der 37-jährige Elektriker aus Peiting, Oberbayern, kennt diese Strecke, weiß, wie er seine Kräfte einteilen muss. Vor zwei Jahren hatte er es nach ganz oben aufs Siegertreppchen geschafft. Dabei ist Berglauf nur Sommertraining für ihn. Er gehört der deutschen Nationalmannschaft im Skibergsteigen an und ist Deutscher Vizemeister in dieser etwas ungewöhnlichen Disziplin, in der im Winter statt mit Seil und Steigeisen mit Ski Bergspitzen erklommen werden. Bergan sommers wie winters – eine unschlagbare Kombination: Bei dem Lauf durch alle alpinen Vegetationszonen setzt sich Echtler nach dem Gatterl, der Grenze zwischen Tirol und Bayern, Österreich und Deutschland von der Spitzengruppe ab ...
Den kompletten Artikel mit der Trail-Schuh-Übersicht lesen Sie in: LAUFZEIT 10/2006, ab Seite 30. Am einfachsten im Online-Abo - Zeitung lesen ohne Papier, erhältlich hier bei davengo.
Text und Foto: Ulf Ringer.
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