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LAUFZEIT-Leser zu Besuch bei Haile Gebreselassie

Zu Besuch in Äthiopien (Teil 2)

Nach einem kurzen Abstecher ins nahe Hochland erhielten die Aktiven der LAUFZEIT-Leserreise am Samstag die Startnummern für den 21. Abebe Bikila Marathon. Starttag war der 12. Juni 2005, Startzeit ab 7.00 Uhr. Nach dem äthiopischen Kalender  (der der alte europäische julianische ist) war das der 5. Senee 1997.

Unruhen in der Stadt bis Mitte der Woche hatten noch ihre Nachwirkungen. Durch einen Streik der Taxifahrer erreichte am Wettkampftag ein Großteil der avisierten Teilnehmer nicht den Start am Addis-Abeba-Stadion. Man wartete noch etwas ab. Die Sonne zog bereits drohend ihre unbewölkte Bahn. Das Stadion erfüllte sich erst nach und nach mit Leben. Das kennt man freilich nicht von zu Hause, wo alles auf die Minute behördlich angemeldet sein und geschehen muss. Doch hier war Äthiopien, eines der weltweit ärmsten Länder. In diesem Land gibt es auch keinen Breitensport wie wir ihn kennen. Noch nicht.
So gingen nach Überprüfung der Namen und Startnummern aller Athleten um 7.50 Uhr zuerst die Frauen und Senioren ab 45 Jahre auf die Strecke. Nach anderthalb Stadionrunden verabschiedete sich das auf 130 Köpfe geschätzte Feld auf die 21-km-Runde durch die Straßen der äthiopischen Hauptstadt. Ihm folgten gut 30 Minuten später ca. 350 Männer, die gleich mal auf der 400-m-Anfangsrunde im Stadion eine 70iger Zeit hinlegten. Starter aus sechs Ländern waren im Feld vertreten. Bereits am Tag vorher bei der Streckenbesichtigung konnten die LAUFZEIT-Leserreisenden die Härte der Strecke besichtigen. 560 erstiegene Höhenmeter wies Ultraspezialist Klaus Neumann aus Stuttgart später per Höhenmesser am Handgelenk für die Marathondistanz aus. Zudem befand man sich in über 2.000 m Höhe, dazu bei Temperaturen um 25 °C. Da braucht es viel Flüssiges. Dass wurde mit Hilfe der betreuenden Reiseagentur noch zusätzlich für die deutschen Teilnehmer beschafft. Wasserstellen waren alle 5 km geplant, aber zum Teil wurde dort die Flüssigkeit aus offenen Bechern gereicht. Für empfindliche mitteleuropäische Mägen nicht gerade einladend. Dank dem Bemühen der betreuenden Reiseagentur um Amanuel Hawariat konnte den deutschen Teilnehmern geholfen werden. "Jetzt wissen wir, wie das Ganze abläuft und können im nächsten Jahr darauf mehr Einfluss nehmen", erklärte Amanuel gegenüber Reiseleiter Klaus Weidt (REISEZEIT Tourismus GmbH). Letzterer hatte einige Jahre suchen müssen, um einen geeigneten und zuverlässigen Partner vor Ort für seine Reiseidee zu finden.

Mancher behalf sich auf der Wettkampfstrecke durch Addis Abeba - der Name bedeutet soviel wie "Neue Blume" - auch mit Einkäufen von Wasserflaschen. So der Stendaler Lauforganisator Gerd Engel, den dann zugleich ein einheimischer Sportler aus freien Stücken als "Flaschenträger" viele Kilometer begleitete.
Nachwuchstalente ohne Ende.

Auch die einheimischen Läuferinnen und Läufer, zwar etwas unempfindlicher gegen den Flüssigkeitsverlust wie unsereins, hatten mit den Hitzebedingungen zu kämpfen und durchliefen völlig erschöpft das Ziel. Dennoch erreichte die Spitze beachtliche Ergebnisse. Mit Joseph Ndeti gewann erstmals ein Kenianer den Kurs in Addis Abeba. 2:21:22 h lautete seine Siegerzeit. Der Bruder des zweimaligen Gewinners des Bostonmarathons ist ein häufiger Gast der Trainingsgruppe von Walter Abmayr in Heidelberg und hofft mit seinem Sieg in Addis Abeba wieder auf weitere Läufe in Europa. Auf den Plätzen folgten im Endspurt die Äthiopier Driba Mergia (2:24:02) und Tesfaye Bogale (2:24:03). Noch ein Dutzend Läufer unter 2:30 sollten folgen, 71 blieben unter 2:40, 121 unter 2:50. Auch bei den Frauen sah man äthiopische Nachwuchstalente zuhauf. Für die Siegerzeit von 2:54:08 sorgte Worknesh Tola, während hinter ihr wiederum unter den Begeisterungsrufen von der Zieltribüne gespurtet wurde: Tiringo Getachea (2:54:14), Geshu Mindaye (2:54:15) - vielleicht wird man einige dieser Namen später einmal bei den großen Marathonläufen dieser Welt hören.

Weitere Informationen und detaillierte Testberichte finden Sie in der LAUFZEIT.
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Quelle: Journal LAUFZEIT 07/08-2005
Text: W. Weising
Weitere Informationen unter: www.laufzeit.de