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Phänomen Sportherz

Kraftwerk in der Brust

Das Sportherz ist das Ergebnis einer normalen, sinnvollen Anpassung an eine ständige körperliche Belastung, wie es nach langjährigem, regelmäßigem, intensivem Ausdauertraining der Fall ist.

Das typische Sportherz findet man in den klassischen Ausdauersportarten wie Langstreckenlauf, Radrennfahren, Skilanglauf, Rennrudern, Triathlon, deren Charakteristikum ein zyklischesBewegungsmuster ist. Sportarten mit einer azyklischen Bewegungsform, wie z.B. die Ballspielsportarten, führen in der Regel zu keinem typischen Sportherz, da sie keine reinen Ausdauersportarten sind. Kraft- und Sprintsportarten hingegen bewirken niemals die Ausbildung eines Sportherzens.
Das Sportherz ist ein gesundes (!), vergrößertes Herz, gekennzeichnet durch eine regulative Erweiterung aller Herzkammern (inkl. der zuführenden und abgehenden Gefäße) mit kompensatorischer Hypertrophie (Verdickung) der Herzmuskulatur sowie gleichzeitiger Erweiterung der Herzkranzgefäße, um die entsprechende Durchblutung und damit Ernährung sowie Sauerstoffversorgung des starken Herzmuskels zu gewährleisten. Es kann sogar zu einer Vergrößerung des Herzkranzgefäßbettes durch Ausbildung sogenannten Kollateralen (Querverbindungen zwischen den bereits vorhandenen Gefäßen) sowie - analog zum Trainingseffekt auf die Skelettmuskulatur - zur "Kapillarisierung" der Herzmuskulatur kommen. Dabei handelt es sich um eine Öffnung der Ruhekapillaren, möglicherweise auch eine Neubildung von Kapillaren. Die Kapillaren sind die kleinsten, nur mikroskopisch sichtbaren Blutgefäße, die den Sauerstoff direkt an die Muskelzellen abgeben. Das Resultat ist ein optimal durchbluteter, überdurchschnittlich leistungsfähiger Herzmuskel ...

Mehr Pumpleistung, weniger Schläge
Die positive Auswirkung eines regelmäßigen Ausdauertrainings auf die Durchblutung des Herzmuskels und der peripheren Muskulatur hat eine herausragende präventivmedizinische (Herzinfarktvorsorge) und therapeutische (Herzinsuffizienz, "Herzschwäche") Bedeutung. Durch die Erweiterung der Herzkammern beim Sportherz wird das Herzvolumen größer. Hochleistungs-Ausdauersportler haben oft das doppelte Herzvolumen als das von untrainierten Normalpersonen (bis 1.600 ml), z. B. bei Radprofis wie früher Eddy Merckx und heute Lance Armstrong, Jan Ullrich & Co, (Einzelbeobachtungen sogar bis 1.700 ml, wie früher bei Rik van Steenbergen). Damit steigt natürlich auch die Förderleistung des Herzens, denn mittels seiner hypertrophierten und damit stärkeren Muskulatur kann es nun ein größeres Schlagvolumen (SV) auswerfen. Das Schlagvolumen ist diejenige Blutmenge, die pro Herzschlag (HF) ausgeworfen wird ...

(Den ganzen Artikel finden Sie in LAUFZEIT 4/2006 auf den Seiten 8-11. Am einfachsten im Online-Abo – Zeitung lesen ohne Papier, erhältlich hier bei davengo.)


Quelle: Journal LAUFZEIT 3-2006
Text: Wolfgang Weising