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Vegetarische Vollwertküche

Wunderbohne Soja

Über vegetarische Ernährung wird in Zeiten weit verbreiteter „Zivilisationskrankheiten“ wie Bluthochdruck, erhöhten Cholesterolwerten, Arteriosklerose, Gicht, Diabetes mellitus und Übergewicht viel diskutiert.

Gegner der fleischlosen Ernährung fürchten eine Mangelversorgung an Eiweiß, Eisen, Zink oder B-Vitaminen. Erfahrene Vegetarier erklären, die essenziellen Nährstoffe anstelle über hormonverseuchtes Mastfleisch lieber durch pflanzliche Vollwertprodukte zu sich zu nehmen. Zum Liebling der vegetarischen Vollwertküche avancierte die proteinreiche Sojapflanze. Doch was kann die Wunderbohne wirklich bieten?
Gerade Sportlern fällt es trotz erhöhten Eiweißbedarfs oft schwer, proteinreiche Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Vor allem nach erschöpfenden Belastungen, bei denen eine Eiweißzufuhr die Regeneration unterstützen würde, verspürt wohl kaum ein Läufer Appetit auf ein deftiges Schnitzel oder gebratenes Setzei. Gegenüber Fleisch- und Wurstwaren punkten Sojaprodukte durch ihre leichte Verdaulichkeit und den geringen Fettgehalt. Sojaspeisen – die sowohl mit Reis oder Gemüse als auch in Form von Süßspeisen serviert werden können, stellen durchaus eine Alternative in der Sportlerküche dar, da sie bei weitem nicht so schwer im Magen liegen wie andere Proteinlieferanten.

Zum Schein verwurstet
Während hierzulande „Gehacktes“, „Gulasch“, „Milch“ oder „Joghurt“ – ja selbst „Schnitzel“ oder „Würstchen“ auf Sojabasis als Resultate der gesundheitsbewussten Trendküche auf dem Markt erscheinen, ist die Sojabohne in Asien schon seit Jahrtausenden bekannt: Soja steckt in den klassischen Grundnahrungsmitteln Tofu und Tempeh, in Sojasoßen namens Shoyu und Tamari und in Miso. Für Asiaten (und Europäer, die sich eine naturnahe Beziehung zum Lebensmittel bewahren konnten) mag es schwer nachvollziehbar sein, warum Soja als „Fleischersatz“ zu zum Teil skurril anmutenden Produkten im wahrsten Wortsinn verwurstet wird: Traditionelle Sojagerichte wie Tofu (eine Art schnittfester Käse aus geronnener Sojamilch) oder Tempeh (fermentierte Sojabohnen mit nussigem, an Edelschimmelkäse erinnernden Geschmack) oder auch einfach Sojasprossen als Gemüse müssen den kulinarischen Vergleich mit europäischen Fleischgerichten nicht fürchten. Wer aber der Ansicht ist, Reis mit Tofu sei keine „richtige Mahlzeit“ – für den bietet die Industrie nun auch Tofu in Hackfleisch- oder Steakoutfit an. Dem Organismus dürfte das äußere Erscheinungsbild des Sojaproduktes egal sein. Für ihn zählen nur die inneren (sprich: ernährungsphysiologischen) Werte. Und da braucht sich die Bohne wahrlich nicht verstecken, denn Soja ist eines der vielseitigsten Nahrungsmittel überhaupt und enthält eine Vielzahl lebenswichtiger Nährstoffe. Zahlreiche Gründe sprechen dafür, Soja und Sojaprodukte in den Speiseplan aufzunehmen: der hohe Eiweißgehalt, die gesunden ungesättigten Fettsäuren, die Vielfalt an Vitaminen, der hohe Anteil an wichtigen Mineralstoffen ...